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Miniaturen fotografieren

Wer gerne selber seine Miniaturen fotografieren möchte, findet in YouTube diverse Anleitungen, wie man auch ohne professionelle Ausrüstung ansprechende Fotos machen kann. Hier nur ein paar Informationen zu meinem Setup, Tipps und Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Motiv

Die meisten Fotos wurde mit dem Ziel gemacht, die Miniatur (den Paintjob) zu dokumentieren: gleichmäßig ausgeleuchtet und vor einem neutralen hellen Hintergrund. Die Figur wurde dabei von leicht erhöhter Position abgelichtet, damit auch die Details der Bodenplatte sichtbar sind.

Soweit nicht anders angegeben, wurden die Beispielbilder auf dieser Seite mit einer Canon 70D (Baujahr 2013) und einem Canon EF 35mm/F2 Objektiv gemacht. Sie sind nicht digital nachbearbeitet; lediglich beschnitten und verkleinert.

Kamera (-einstellungen)

Im Grunde eignen sich viele aktuelle Smartphones oder Systemkameras für das Fotografieren von Miniaturen. Wichtig is lediglich, dass man die Blende (Öffnung des Objektivs), die Belichtungszeit und den ISO-Wert (Lichtempfindlichkeit des Sensors) individuell einstellen kann. Das ist bei handelsübliche Kameras und modernen Smartphones der Fall.

Blende

Die Figuren sind sehr klein, und der Abstand von der Kamera zu der Figur gering. Damit die ganze Figur von vorne bis hinten scharf wird, muss die Blende relativ weit geschlossen werden (hoher Blendenwert). Ist die Blende zu offen (kleiner Blendewert) werden Teile der Figur unscharf.

In diesem Szenario (Größe der Figur, Brennweite des Objektivs) muss ich einen Blendenwert von mindestens F13 verwenden (Bild 2), um die ganz Figur scharf zu bekommen. Bei größeren Figuren und/oder anderen Brennweiten mag ein deutlich höherer Blendenwert notwenig sein.

Lässt man die Kamera oder das SmartPhone die Belichtigungseinstellungen automatisch vornehmen, ist die Blende oft viel zu offen (kleiner Blendenwert), um die ganze Figur scharf abzulichten. In meinem Szenario stellt die Automatik der Kamera einen Blendenwert von 3.5 ein (Bild 3).

Blende F4.5, Teile der Figur sind unscharf.
Blende F13 in diesem Fall passend.
Blende F3.5 von der Kamera gewählt (viel zu klein).

ISO-Wert

Mit dem ISO-Wert stellt man die Lichtempfindlichkeit des Sensors ein. Je kleiner der Wert (minimum 100 oder 200) je besser ist die Bildqualität. Mit höherem Wert steigt die Lichtempfindlichkeit des Sensors, es sinkt jedoch die Bildqualität. Bei sehr hohen ISO-Werten sieht das Bild „verrauscht“ aus (siehe 2. Bild in der nachfolgenden Reihe).

Viele Kameras und Smartphones erlauben das Fotografieren mit hohen ISO-Werten, und Programme zur digitalen Nachbearbeitung von Fotos bieten Funktionen zur manuellen, automatischen, oder sogar KI-unterstützeten Rauschreduzierung. Dies wirkt sich jedoch immer auf die natürlichkeit der Farben, den Kontrast, und die Bildschärfe aus. Ein kleinerer ISO-Wert is immer vorzuziehen.

Bild 3 der folgenden Reihe ist das Ergebnis einer automatischen Rauschreduzierung von Bild 2, das mit ISO 6400 aufgenommen wurde. Das Ergebnis ist für das Internet oder die Darstellung auf Smartphones mehr als ausreichend, es gehen jedoch bereits Details verloren, die Figur wird küntlich geglättet.

ISO 100
ISO 6400
Repariert

Belichtungszeit (Stativ)

Eine weit geschlossene Blende (hoher Blendenwert) und ein niedriger ISO-Wert erfordern beides eine längere Belichtungszeit, damit genug Licht den Sensor erreicht. Mit normalen Lampen (ohne Blitz) liegt die Belichtungszeit selbst in meiner Lightbox bei 1/2 bis 1/1 Sekunde.

Zum Glück bewegen sich die Miniaturen nicht, daher ist eine längere Belichtungszeit kaum ein Problem. Ein Kamera eine Sekunde lang still zu halten, ist jedoch selbst mit optischen oder digitalen Bildstabilisatoren kaum möglich, ohne dass das Bild unscharf wird.

Ein Stativ ist daher Pflicht!!1ELF

Smartphones können mit einem kostengünstigen Adapter auf jedes handelsübliche Stativ montiert werden. Ein weitere Vorteil bei der Verwendung eines Stativs ist, dass man Reihenaufnahmen von Miniaturen aus immer derselben Position machen kann.

Setup

Die Figur wird vor (auf) einem hellen (weiss/hellgrau) Hintergrund platziert. Lampen/Blitze beleuchten die Figur seitlich von vorn. Die Kamera / das Smartphone ist auf einem Stativ montiert, damit auch längere Belichtungszeiten möglich sind. Fertig.

Klugscheiss: Von integrierten Kamerablitzen oder Smartphone Hilfslichtern ist abzuraten. Sie erlauben zwar kürzere Belichtungszeiten und erfordern kein Stativ, lassen das Motiv jedoch platt ausehen. Die Lichtquelle(n) sollte seitlich von vorn kommen, niemals aus Richtung der Kamera.

Lightbox?

Ist eine Lightbox notwendig? Nein! Kann sie hilfreich sein? Ja!

Meine Lightbox hat einen Ring von LED-Lichtern an der Oberseite. Zusammen mit dem reflektierenden Seiten helfen diese, die Miniatur gleichmäßig zu beleuchten und insbesondere Bereiche, die sich im Schatten der Lichtquellen oder Blitzlichte befinden, besser zu beleuchten. In Szenarien vor einem dunklen Hintergrund helfen sie, störendes Umgebungslicht abzuschirmen.

Ordentliche Lichtboxen inklusive verschiedener Hintergründe gibt es für kleines Geld (<100€) und sind die Anschaffung wert, wenn man gelegentlich seine Miniaturen fotografieren möchte.

Beispiel 1


Hier habe ich mal ein Bild nur mit einer einfachen Leselampe und einer Pflanzenlampe gemacht. Die Lightbox ist nicht eingeschaltet.

Das Bild hat durch die Leselampe, die sehr warmes Lich austrahlt, natürlich nicht die Helligkeit, die ich mir wünschen würde. Es ist aber ein gutes Beispiel dafür, dass man keinen großen Aufwand für ansprechende Fotos treiben muss.

Mit helleren Lampen und neutralerer Farbtemepratur lassen sich schon sehr gute Ergebnisse erzielen.

Beispielbild 1 (Canon 70 D, 35 mm, F/13, ISO 100)

Beispiel 2


Hier ein Beispiel mit eingeschalteter Lightbox und einem externen Blitz von vorne links.

Hier sorgt die Lightbox für eine bessere Ausleuchtung der Figur und des Hintergrunds.

Der einzelne Blitz von links wirft zwar einen Schatten, setzt das Motiv aber gut in Szene.

Beispielbild 2 (Canon 70 D, 35 mm, F/13, ISO 100)

Beispiel 3


In meinem Standard-Setup für Miniaturen verwende ich drei Blitze. Je einen von links und rechts vorne zur gleichmäßigen Beleuchtung der Figur.

Der dritte Blitz schaut von oben in die Lightbox und hilft bei der besseren Ausleuchtung des Hintergrunds und beim Eliminieren von unerwünschten Schatten.

Die Lightbox muss in diesem Fall nicht eingeschaltet sein. Es mag aber beim fokussieren des Motivs helfen.

Beispielbild 3 (Canon 70 D, 35 mm, F/13, ISO 100)

Dark Mode

Durch die Verwendung eines externen Blitzes (Kontrolle über die Richtung einer einzelnen Lichtquelle) in Kombination mit einer Lightbox (Ausblenden von störendem Umgebungslicht) gibt eine einfache Möglichkeit Akzente der Figur in Szene zu setzen.

In folgendem Beispiel mit einer Aufnahme auf „Augenhöhe“, mit nur einem Blitzlicht von vorne rechts in der ausgeschalteten Lichtbox.

Canon R5, 200 mm, F/13, ISO 100

Bonus: Noch günstiger


Hier noch ein ganz günstiges Beispiel mit meiner ersten Digitalkamera, einer Canon 450 D mit dem Kit-Objektiv (erschienen 2008).

Der Sensor ist natürlich kleiner, 12 Megapixel im Gegensatz zu den 21 bei der 70D und das Objektiv hat nicht ganz die Abbildungsleistung; das Ergebnis ist aber für den Gebrauch im Internet oder mobil vollkommen ausreichend.

Einfach vom Stativ mit einem grauen Hintergrund und als Lichtquelle eine LED Pflanzenlampe. Diese ist zufälligerweise sehr praktisch, da sie zwei biegsame Arme hat. Einer beleuchtet die Figur von vorne, der andere von oben.

Canon 450 D, EF S 18-55mm, F/13, ISO 100

Fazit

Ordentliche Fotos von Miniaturen zu machen, ist nicht schwer und verlangt keine teure Ausrüstung.

Wichtig ist:

  • Eine Kamera (oder Smartphone) bei der die Belichtungseinstellungen (Blende, ISO) individuell gewählt werden können,
  • Ein neutraler, heller, einfarbiger Hintergrund,
  • Eine helle und gleichmäßige Beleuchtung,
  • Ein Stativ zur Kontrolle der längeren Belichtungszeiten.

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